Telefunken HC700D

Kassettendecks wie das hier vorgestellte Telefunken HC700D gab es in den 1980er Jahren viele, darunter auch einige Geräte, die zusammen mit anderen Komponenten als komplette Hi-Fi-Anlagen verkauft wurden. So ist es auch bei diesem Kassettendeck hier, das als Bestandteil der Anlage von Telefunken mit der Bezeichnung T-700 angeboten wurde. Diese Hi-Fi-Anlage wurde von 1984 bis 1987 verkauft und bestand aus einem Plattenspieler HS 700, dem Tuner HT 700, dem Verstärkerbaustein HA 700 sowie einem CD-Player mit der Bezeichnung HS 950. Letzterer war aber mehr optional erhältlich und nicht fester Bestandteil der Anlage. CD-Player gehörten seinerzeit noch nicht zur Standardausstattung von Hi-Fi-Anlagen, wie dies in den 1990er Jahren oder später der Fall war. Aus Einzelbausteinen bestehende Stereoanlagen waren in der damaligen Zeit in Mode. Viele der damals am Markt aktiven Hersteller boten solche Anlagen an, die aus den gängigen Komponenten bestanden und sowohl technisch als auch optisch aufeinander abgestimmt waren. Natürlich gab es auch Alternativen wie Kompaktanlagen. Bei den Einzelbausteinen gab es die Möglichkeit, andere Komponenten als die von den Herstellern für eine Anlage vorgesehenen auszuwählen. Oft sollte ein besseres Kassettendeck her oder ein besserer Verstärker. Auch zusätzliche Komponenten wie der schon erwähnte CD-Player oder ein Equalizer standen oftmals auf der Wunschliste des Hi-Fi-Enthusiasten. Das hier gezeigte Kassettendeck ist tatsächlich eher einfach ausgestattet, bietet aber immerhin schon die Möglichkeit, Metallbänder aufzunehmen und abzuspielen. Das war es aber auch schon im Wesentlichen mit den Ausstattungsmerkmalen, die nicht dem Standard entsprechen bzw. der damaligen Zeit serienmäßig vorzufinden waren.

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An der Rückseite des Telefunken HC700D zu finden sind die üblichen Anschlüsse, bestehend aus Cinchbuchsen für die Aufnahme und Wiedergabe von Audiosignalen. Ebenfalls an der Rückseite des Kassettendecks ist daneben nur noch der übliche Netzanschluss zu finden. Leider war das Netzteil bei diesem Exemplar hier aus irgendwelchen Gründen abgeschnitten worden und musste zunächst erneuert werden, ehe an eine Funktionspropbe gedacht werden konnte. Als das Netzkabel ausgetauscht worden war, stellte sich heraus, dass dieses Gerät ohne Reparaturen noch funktionsfähig war. Größere Reparaturarbeiten oder der Austausch von Teilen waren hier nicht unbedingt notwendig. Allerdings ist es wohl sinnvoll, dennoch die Antriebsriemen auszuwechseln, da diese immerhin schon mehr als 35 Jahre alt sein dürften. Auch die übliche Reinigung der Bandführungen und Laufwerkskomponenten sollte noch durchgeführt werden.

Hier ist das Kassettengerät während eines ersten Probelaufs nach dem Anschluss eines neuen Netzkabels zu sehen. Sowohl Aufnahme als auch Wiedergabe funktionierten. Allerdings benötigt das Gerät offensichtlich einen sehr hohen Eingangspegel für die Aufnahme. An der Vorderseite ist übrigens nur ein Anschluss für ein externes Mikrofon zu finden. Den sonst an den meisten Geräten vorhandenen Kopfhöreranschluss sucht man hier leider vergeblich. Dabei hat sich dieser Kopfhöreranschluss in der Vergangenheit als sehr nützlich herausgestellt. Durch ihn kann das Kassettengerät ohne großen Aufwand getestet werden. Da er hier jedoch fehlte, wurde das Gerät für den Test an einen Verstärker angeschlossen (in der Abbildung unten zu sehen).

Die Aussteuerung der Aufnahme erfolgt über einen Schieberegler für beide Kanäle und zwei Pegelanzeigen, bestehend aus jeweils fünf Leuchtdioden für jeden Kanal. Darunter befinden sich die Tasten für die Auswahl der Bandsorte, die Rauschunterdrückung Dolby Nr. und der Schalter für den MPX-Filter. Dieser Filter wurde bei vielen Geräten des Herstellers verbaut, um den sogenannten Pilotton aus den Aufnahmen herauszufiltern, der zusammen mit UKW-Stereosignalen übertragen wird und die für eine Magnetisierung des Bandmaterials in der Kassette verantwortlich ist, die es zu unterdrücken gilt. Ohne diesen Filter kommt es zu einer unnötigen Vormagnetisierung des Bandes, außerdem können Beeinträchtigungen von Rauschunterdrückungssystemen wie dem hier verwendeten Dolby-System eintreten, wenn die Filterschaltung nicht verwendet wird. Die Funktion wird also nur benötigt, wenn Aufnahmen von UKW-Sendern erfolgen sollen. Bei der Aufnahme von Audiosignalen aus anderen Quellen (CD-Player oder MP3-Player) ist die Filterschaltung nicht notwendig und kann deaktiviert bleiben.

Sogar das Kassettenlaufwerk des Telefunken HC700D war nach der vermutlich längeren Lagerzeit des Gerätes noch funktionsfähig. Die Laufwerkssteuerung erfolgt über leichtgängige Tasten an der Unterseite des Laufwerks, wodurch man fast den Eindruck gewinnen könnte, dass es sich um eine elektronische Laufwerkssteuerung handelt. Dies ist allerdings nicht der Fall, obwohl einige der Laufwerksfunktionen (darunter das Hochfahren der Köpfe bzw. Andruckrolle an das Band) durch den Antriebsmotor des Laufwerks unterstützt erfolgen. Ein mechanisches Bandzählwerk ist ebenfalls vorhanden, jedoch hier ohne Memoryfunktion.

Das Laufwerk von der Rückseite aus gesehen. Es kann nach dem Lösen von ein paar Schrauben von der Gehäusefront abgenommen werden. Der Austausch der Antriebsriemen ist etwas umständlich, da hierzu die Motorhalterung entfernt werden muss. Im Bild ebenfalls zu sehen ist das Gestänge für die Aufnahme-Wiedergabeumschaltung, das den Schalter auf der Hauptplatine des Gerätes mit einem Steuerhebel im Laufwerk verbindet.

Die Hauptplatine des Kassettendecks wirkt sehr übersichtlich und aufgeräumt. Man erkennt, dass hier fernöstliche Technik verbaut wurde, wie dies in vielen Geräten damals gängiger Hersteller der Fall war. Heute würde man vermutlich sagen, die Geräte sind neu „gelabelt“ worden. Die Herstellung der Technik in den Kassettendecks oder in anderen Hi-Fi-Geräten wurde von vielen Herstellern schon in den 1980er Jahren oft nicht mehr in Deutschland oder Europa vorgenommen, sondern in andere Länder ausgelagert. Häufig wurde auch Technik fernöstlicher Hersteller angekauft und mit den bekannten Markennamen verkauft.

Im Bild zu sehen ist der Löschoszillator für die (Vor-) Magnetisierung des Bandes während der Aufnahme. Man erkennt in der Mitte des Bildes die Spule, die Bestandteil des Oszillators ist. Es wird eine sogenannte Hochfrequenz-Vormagnetisierung vorgenommen, damit die Bandaufnahme mit nur möglichst geringem Rauschanteil erfolgen kann. Bei einigen billigen Kassettenrekordern wurde statt des mit Hochfrequenzsignalen gespeisten Löschkopfes oft nur ein Dauermagnet an das Band in der Kassette gefahren, wenn das Kassettengerät auf Aufnahme geschaltet wurde. Daher kommt bei den Aufnahmen mit Billig-Kassettenrekordern das starke Rauschen.

Nahe der Rückwand des Gerätes befindet sich direkt neben den Anschlussbuchsen für die Ein- und Ausgänge (mit der Bezeichnung Line-in, Line-out) die Netzteilelektronik für das Gerät. Der Netztransformator wurde an der Rückwand angeschraubt, wie in der nächsten Abbildung zu sehen. Die Anschlüsse dafür sind oben links in der Abbildung zu sehen.

Hier in dieser Abbildung ist der Netztransformator des Kassettendecks zu sehen. Er ist relativ klein, muss allerdings auch keine allzu hohe Stromstärke liefern. Innen ist das Gerät sehr übersichtlich aufgebaut, die Technik ist solide und zuverlässig und auch noch all den Jahren noch funktionsfähig, wie sich gezeigt hat. Die Klangqualität ist für ein Kassettendeck aus der damaligen Zeit sehr gut. Auch heute noch könnte man damit hochwertige Aufnahmen anfertigen, wenn man vernünftiges Bandmaterial verwendet.

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