Grundig TK 20

Dieses Grundig TK 20 wurde Anfang der 1960er Jahre hergestellt und war vermutlich mehrere Jahre oder gar Jahrzehnte nicht in Betrieb. Es ist ein einfaches Zweispur-Mono-Tonbandgerät einer Baureihe, die zeitlich wohl zwischen Geräten wie dem Grundig TK 5 und dem TK 14 L eingeordnet werden kann. Andere Geräte der Baureihe wie TK 25 wiesen noch einige andere Ausstattungsmerkmale auf wie Aufnahmen ohne Löschung des Bandes (Trickfunktion) sowie unterschiedliche Bandgeschwindigkeiten. Damit unterscheidet sich dieses Gerät auch von den anderen der gleichen Baureihe in ähnlicher Weise wie zum Beispiel das TK 5 vom TK 7. Doch zurück zu diesem Gerät hier. Obwohl es äußerlich noch relativ anständig aussieht, wollte ich es nicht an Strom anschließen, ohne das Gerät zuvor gründlich unter die Lupe genommen zu haben. Nach dem Öffnen des Gerätes sollte sich auch herausstellen, dass dies die richtige Entscheidung war.

Werbung

Der tatsächliche Zustand dieses Grundig-Gerätes lässt sich bereits erahnen, wenn man die Tonkopfabdeckung entfernt. Neben den üblichen Bandablagerungen an den Köpfen und Bandführungen zeigte sich anfangs ein brauner Belag auf der Oberseite des Gerätechassis, der auf stark verrostete Stellen hindeutete. Solche Anzeichen lassen bereits einige Vermutungen über den inneren Zustand zu, vor allem bei Geräten, die alles andere als trocken gelagert wurden.

Nach dem Abnehmen der oberen Abdeckung sollte sich die erste Vermutung auch bewahrheiten. Das Gerätechassis des Grundig TK 20 wies einigen Rostbefall auf. Bevor überhaupt daran zu denken war, das Gerät nach wahrscheinlich langer Pause in Betrieb zu nehmen, sollte es zunächst gründlich untersucht werden. Auch ein erster Blick auf die Sicherungen (im Bild hinten links zu sehen) ließ zumindest erahnen, dass das Gerät wahrscheinlich ohnehin gar nicht eingeschaltet werden könnte (oder sollte). Deshalb wurden erst einmal alle beweglichen Teile überprüft (Motorwelle, Schwungrad mit Capstan, Wickelteller, zwischen Rad usw.). Glücklicherweise waren diese Teile alle relativ leichtgängig. Trotzdem sollten diese später nach gründlicher Reinigung noch mit neuen Schmiermitteln versehen werden.

Hier sind die Sicherungen mit reichlichem Grünspanbefall zu sehen. Leider tritt dieses Phänomen bei den Geräten des Herstellers sehr häufig auf. Es mussten bereits einige Geräte wie TK 14 L, TK 23 L usw. gründlich gereinigt und die darin enthaltenen Sicherungshalter von Korrosion befreit werden. Die Sicherungen sind bei den meisten dieser Geräte ohnehin nicht mehr brauchbar, wenn diese derart korrodiert sind, und sollten am besten gleich ausgewechselt werden. Probleme können hier entstehen, wenn kein einwandfreier Kontakt gegeben ist und an den Übergängen zwischen Sicherungshalter und Sicherung Funken überspringen und so im schlimmsten Fall die ganze Sache anfängt zu kokeln.

Hier ist der im Koffer enthaltene Lautsprecher zu sehen, der sogar einen recht guten Klang hat und auch ausreichend groß dimensioniert wurde. Den Schaumstoff hinter dem Lautsprecher musste ich leider entfernen, da dieser erwartungsgemäß nicht mehr im besten Zustand war und sich bei der kleinsten Berührung in seine Bestandteile auflöste. Ebenfalls im Bild zu sehen ist das Netzkabel, das noch original zu sein schien, leider aber in einem sehr guten Zustand mehr war. Es war komplett verdreht und an einigen Stellen beschädigt. Sicherheit geht natürlich vor Originalität, weshalb wurde gleich beim Wechsel des Kabels ein doppelt isoliertes Netzkabel eingesetzt, wie dies heute üblich ist.

Dies ist das Gerätechassis von unten gesehen. Links oben befindet sich der Löschoszillator, hier bestückt mit einer EL95. Die ebenfalls mit einer Röhre des gleichen Typs ausgestattete Endstufe ist unten rechts im Bild zu sehen. Links davon befindet sich der Anschlussblock für die verschiedenen Eingangsquellen. Direkt über bei der Endstufe zu sehen ist der Vorverstärker, bestückt mit einer EF86 (mit separater Heizspannungsversorgung, doch dazu später mehr) und einer ECC81. Das Drucktastenaggregat für die Wahl der Eingangssignale befindet sich rechts davon. In der Mitte zu sehen ist der Außenläufermotor von Papst, links davon befindet sich das Netzteil. Soweit zur groben Aufteilung der einzelnen Komponenten im Gerät.

Nach dem Austausch der Sicherungen und einer gründlichen Reinigung des Sicherungshalters sollte das Gerät das erste Mal in Betrieb genommen werden, um zu sehen, was es überhaupt machte. Nachdem nun auch alle beweglichen Teile auf ihre Funktion hin überprüft worden waren, wurde das Gerät aus Sicherheitsgründen zunächst mit einem Trenntrafo und etwas verringerter Spannung in Betrieb genommen. Direkt ans Netz anschließen sollte man es nicht. Der Motor lief zwar an, und auch die Endstufe gab über einen extern angeschlossenen Lautsprecher die ersten Töne von sich. Allerdings war die Wiedergabe auch nach Anlegen der 220 Volt wie erwartet alles andere als klar und deutlich. Hier war erstmal eine Kondensatorkur (Austausch aller erfahrungsgemäß ohnehin defekten Kondensatoren) fällig. Eines dieser Exemplare ist auch im Bild zu sehen, und zwar rechts neben dem Relais in der Mitte des Bildes und hinter einem Potentiometer. Der Austausch dieser Kondensatoren ist gar nicht so einfach, da einige dieser Exemplare sehr versteckt  gelegen sind und durch die freie Verdrahtung nur sehr mühselig ausgewechselt werden können. Dennoch sollte man sich diese Arbeit machen, möchte man ein solches Gerät wieder in einen betriebsbereiten und relativ betriebssicheren Zustand versetzen.

Auch in der Endstufe sind einige der meist defekten WIMA-Kondensatoren (häufig auch als Schokobonbons bezeichneten Bauteile) enthalten. Neben diesen Kondensatoren wurden auch einige der Elektrolytkondensatoren sicherheitshalber ausgewechselt. Die Abbildung zeigt außerdem die Spuren der langen Lagerung des Gerätes und der nicht optimalen Umgebungsbedingungen. Das Innenleben des Grundig TK 20 wurde vorsichtig mit einem Pinsel gereinigt, um zumindest die groben Ablagerungen so gut wie möglich zu entfernen.

Über die verschiedenen Anschlüsse lassen sich Signale mit unterschiedlichen Ausgangspegeln aus Audioquellen wie Mikrofon, Plattenspieler oder Radio für die Aufnahme einspeisen. Außerdem kann über eine dieser Buchsen auch ein externer Lautsprecher angeschlossen werden. Die entsprechenden Eingänge werden dann über drei Drucktasten ausgewählt, von denen eine während des Umschaltens von Stopp auf Bandlauf gedrückt werden muss, um auf die Aufnahme zu schalten. Der Motor des Gerätes ist bei Betrieb über 220 Volt direkt mit der Netzspannung verbunden, bei einer Eingangsspannung von 110 Volt wird er über die primäre Trafowicklung mit 220 Volt versorgt. Der Trafo funktioniert in dem Fall primärseitig wie ein Spartransformator. Die Eingangsspannungen können durch entsprechendes Setzen der Sicherung umgestellt werden, hier auf 110 oder 220 Volt. Einige andere Geräte bieten noch andere Spannungseinstellungen wie 120 oder 240 Volt.

Hier ist noch das alte und beschädigte Netzkabel zu sehen, das außerdem sehr stark verdreht worden ist. Erfahrungsgemäß tut dies den Kabeln nicht besonders gut, außerdem sorgt eine gewisse Materialermüdung dafür, dass die Isolierung im Laufe der Jahrzehnte brüchig wird. Schon aus Sicherheitsgründen wurde das Kabel ausgewechselt. Am Kabelhalter sieht man außerdem die Einwirkungen der Feuchtigkeit in Form eines starken Rostbefalls.

Das Schwungrad mit Capstanwelle kann ausgebaut werden, wenn die Kopfträgerplatte entfernt wird. Nach dem Lösen dreier Schrauben und vorsichtigem Abnehmen wurde es ausgebaut und erstmal gründlich gereinigt. Die Lager sollten natürlich ebenfalls gereinigt und mit Schmiermitteln versehen werden, schließlich dürften die darin enthaltenen Öle bzw. Schmierfette schon rund 60 Jahre alt sein. Der Capstan zeigte bereits deutliche Ablagerungen von Abrieb der verwendeten Tonbänder. Auch diese ließen sich auf diese Weise besser entfernen.

Die Welle ist an der Unterseite mit einer kleinen Kugel gelagert, die natürlich nicht abhandenkommen sollte. Auch die Unterseite der Welle musste gründlich gereinigt werden, ebenso das Lager im Gerätechassis. Erst dann wurden die Lager mit neuem Schmiermittel versehen.

Der Motor wurde ebenfalls ausgebaut, um ihn gründlich zu reinigen und ebenfalls mit neuem Schmiermittel zu versehen. Der Ausbau der Statorwicklung ist möglich, nachdem ein kleiner Sicherungsring unter der mit drei Schrauben befestigten Abdeckung entfernt wurde. Der Außenläufer ist oben rechts in der Abbildung zu sehen.

Die Andruckrolle ist leider beschädigt und zeigt Druckspuren der Capstanwelle. Solche Defekte entstehen dann, wenn das Gerät in der Stellung Bandlauf bei Aufnahme oder Wiedergabe mit am Capstan anliegender Andruckrolle für längere Zeit gelagert wird. Das ist in etwa so, als würde man ein Auto mehrere Jahr(zehnt)e an ein- und derselben Stelle parken, ohne es vor- oder zurückzubewegen. Leider lässt sich das nur reparieren, indem die Andruckrolle ausgewechselt wird. Hoffentlich ist noch Ersatz aus einem alten Tonbandgerät vorhanden. Leider war das nicht der Fall. Doch mehr zum Thema eingedellte Andruckrolle weiter unten auf dieser Seite.

Das Grundig TK 20 bei einem Probelauf nach der Reparatur. Der Klang ist nach dem Reinigen der Köpfe und Bandführungen sehr klar und deutlich wie selten bei einem so alten Tonbandgerät. Auch Aufnahmen sind wieder problemlos möglich. Nur der Antrieb der Bandrollen bei Vor- oder Zurückspulen ist noch etwas schwach, da die Gummierungen des linken Wickeltellers und des Zwischenrades für den schnellen Vorlauf im Laufe der Jahrzehnte ausgehärtet sind und aus diesem Grund eine Kraftübertragung nicht mehr wie vorgesehen funktioniert.

Natürlich musste auch das Gehäuse gründlich gereinigt und von Staub und Schmutz befreit werden, bevor das Gerätechassis wieder eingebaut wurde. So sieht es wieder sehr ansehnlich aus. Natürlich zeigt das Grundig auch so noch einige Gebrauchsspuren. Aber schließlich ist es ein rund 60 Jahre altes Tonbandgerät. Doch die Technik gilt als sehr robust, schließlich hat es auch die nicht ganz sachgemäße Lagerung mit anscheinend hohem Feuchtigkeitsanteil überstanden, wenn auch nicht ganz spurlos. Beim Austausch der Kondensatoren wurde ein Kurzschluss zwischen einem der Heizanschlüsse einer Röhre (in diesem Fall die ECC81) und der Gerätemasse verursacht, hier durch Verbiegen eines Anschlusses am Röhrensockel. Die Wicklung für die Röhrenheizung ist per Mittelanzapfung bereits mit der Gerätemasse verbunden, sodass quasi eine Hälfte der Heizwicklung kurzgeschlossen war. Die Röhrenheizung arbeitete dadurch sozusagen nur noch mit halber Kraft, außerdem wurde der Netztrafo bereis nach kurzer Zeit sehr warm. Glücklicherweise verursachte der Kurzschluss keinen Windungsschluss. Aber dieses Beispiel zeigt, weshalb man beim Austausch der Kondensatoren (oder anderer Bauteile) sehr vorsichtig sein sollte und unbedingt darauf achten sollte, dass keine solchen Kurzschlüsse entstehen können.

Leider war kein Ersatz für die Andruckrolle mit Delle vorhanden. Da die Andruckrolle mit Delle doch unangenehme Laufgeräusche und ein Leiern erzeugt und der Fehler beseitigt werden sollte, musste eine andere Lösung her. Da genug Material auf der Andruckrolle ist, sollte sich diese doch soweit abschleifen lassen, dass die Delle weg wäre. Dazu wurde die Andruckrolle an einer M6-Schraube befestigt und in eine Bohrmaschine eingespannt. Anschließend wurde sie möglichst gerade mithilfe von 120er Schleifpapier abgeschliffen (im mittleren Bild bereits geschehen). Das funktionierte tatsächlich. Das rechte Bild zeigt die eingebaute Andruckrolle.

Werbung