Tesla B101

Das Tesla B101 ist ein Vierspur-Stereo-Tonbandgerät des tschechischen Herstellers Tesla und wurde zur Zeit seiner Herstellung und dem Verkauf häufig in der damaligen DDR verkauft. Das Gerät ist sehr übersichtlich aufgebaut und zeichnet sich vor allem durch eine einfache Bedienung und einen durchaus guten und sauberen Klang aus. Das Laufwerk wird über einen einzelnen Drehknopf bedient (Start und Stopp, Vorlauf und Rücklauf), wie dies auch bei einigen Geräten anderer Hersteller der Fall ist, zum Beispiel Grundig (TK 145 und TK 147). Zum Starten des Bandes bei Aufnahmen oder Wiedergabe wird der Drehknopf einfach etwas nach links gedreht, zum Spulen in die entsprechende Richtung muss der Knopf außerdem heruntergedrückt werden. Die Bedienung stellte sich bereits nach sehr kurzer Zeit als äußerst praktisch heraus. Für die Aufnahme muss lediglich eine zusätzliche Taste vom Umschalten auf dem Bandlauf gedrückt werden. Der Netzschalter wird ebenfalls über einen Drehknopf bedient, wie im Bild auch zu sehen ist. Die übrigen Bedienelemente sind sehr übersichtlich angeordnet. Neben den zwei Lautstärkereglern findet man Klangregler für Bässe und Höhen, die Aufnahmeaussteuerung wird wie die Lautstärke über zwei Schieberegler eingestellt. Die Umschaltung der Spuren (ein Vierspur-Monobetrieb ist wie bei den meisten Stereo-Tonbandgeräten ebenfalls möglich) erfolgt über drei Drucktasten. Sehr praktisch: Die Aussteuerungsinstrumente zeigen auch bei Wiedergabe an.

Werbung

Hier eine Detailaufnahme mit den beiden beleuchteten Aussteuerungsinstrumenten und den Spurumschaltern. Die Spurumschalter funktionierten bei den ersten Probeläufen nicht einwandfrei und benötigten etwas Kontaktspray. Auch die Einstellregler für die Lautstärke und den Klang mussten erst mit etwas Kontaktspray bearbeitet werden, ehe sie ohne Probleme genutzt werden konnten.

Die Bedienelemente des Gerätes sind sehr übersichtlich angeordnet. Das Tesla B101 sollte wirklich von jedermann bedient werden können. Die vordere Abdeckung mit dem Schriftzug B 101 Stereo kann mit einem Handgriff abgenommen werden, um die Bandführungen und Tonköpfe ohne das Auseinanderbauen des Gerätes zu reinigen. Das Gerät ist nur für den liegenden Betrieb geeignet, die Spulen lassen sich nicht auf den Wickeltellern befestigen, wie dies für die entstehenden Betrieb notwendig wäre. Allerdings würde das bei diesem Gerät auch wenig Sinn machen, da der Lautsprecher sich an der Front des Gerätes befindet.

Hier ist das Tesla B101 mit abgenommener oberer Abdeckung zu sehen. Befestigungsschrauben für diese Abdeckung sucht man an der Oberseite des Gerätes vergeblich. Um die Abdeckung abnehmen zu können, müssen erst fünf Muttern auf der Unterseite des Gerätes entfernt werden. Auf diese Weise lässt sich sowohl die obere als auch die untere Abdeckung demontieren. Die Verbindung der beiden Gehäuseteile erfolgt durch lange Stehbolzen. Wird die obere Gehäuseabdeckung abgenommen und zur Seite gestellt, sollte man aufpassen, dass die Stehbolzen nicht versehentlich aus dem Gehäuse herausbrechen. Das Laufwerk mit einer Einknopfbedienung ist relativ übersichtlich aufgebaut, die Funktion lässt sich mit etwas Verständnis für die Mechanik leicht nachvollziehen. Glücklicherweise funktionierte es fast auf Anhieb, lediglich einer der Antriebsriemen musste erneuert werden. Das Laufwerk wurde gereinigt und mit neuen Schmiermitteln versehen. Das Laufwerk des Gerätes wird über einen großen (Asynchron-) Motor angetrieben. Der Antrieb des Schwungrades mit Capstan erfolgt über ein riemengetriebenes Zwischenrad, der Antrieb der beiden Wickelteller zum Umspulen über den schwenkbar eingesetzten Antriebsmotor entweder direkt beim Vorlauf oder über ein Zwischenrad beim Rücklauf.

Der Antrieb der Wickelteller und der Antriebsmotor des gerätes im Detail. Die Gummioberflächen wirken für das Alter des Gerätes noch relativ gut. Das Tonbandgerät wurde etwa Anfang der 1980er Jahre hergestellt. Ebenfalls im Bild zu sehen ist der separate Netztrafo für den Verstärkerteil des Gerätes. Es besitzt neben den Aufnahme- und Wiedergabeverstärker für den Stereobetrieb eine Endstufe für den integrierten Lautsprecher und zwei externe Lautsprecherboxen.

Das Tesla B101 verfügt über einen kombinierten Tonkopf für die Aufnahme und Wiedergabe, eine Hinterbandkontrolle ist nicht vorhanden. Das reduziert den Aufwand an der Verstärkerelektronik erheblich. Die Qualität der Aufnahmen ist trotz des Alters des Gerätes noch relativ gut. Auch die Bandführungen sind noch nicht so verschmutzt und konnten relativ einfach wieder mit etwas Isopropanolalkohol und ein wenig Geduld gereinigt werden.

Ein Blick auf die Verstärkerelektronik des Gerätes und die Verdrahtung der Anschlussbuchsen. Der Gehäuseboden ist über ein grünes Kabel mit der Gerätemasse verbunden. Der Deckel kann erst vollständig vom Gerät entfernt werden, wenn davor dieses Kabel gelöst wurde.

Das Innere des Gerätes wirkt sehr aufgeräumt und übersichtlich. Links oben im Bild zu sehen ist der zusätzlich verbaute Netztransformator für den Verstärkerteil des Gerätes. Darunter befindet sich die Netzteilplatine. Das Gerät besitzt nicht einen kombinierten Antriebsmotor mit integrierten Sekundärwicklungen für die Stromversorgung der Verstärkerelektronik, wie dies bei vielen anderen Geräten aus der damaligen Zeit der Fall war, beispielsweise bei einigen Geräten von Telefunken wie dem Magnetophon 201 oder 203. Der Antriebsmotor wirkt im direkten Vergleich mit dem doch recht kompakten Aufbau des Gerätes sehr groß, fast schon etwas klobig. Allerdings Liste der durch ausreichend dimensioniert, um das Laufwerk anzutreiben. Unten im Bild zu sehen ist der einzelne verbaute Lautsprecher im Gerät, der in Richtung der Gerätefront zeigt.

Um einen der Antriebsriemen auszuwechseln und zum Auftragen neuer Schmiermittel wurde das Schwungrad mit Capstan ausgebaut. Dies erfolgt am einfachsten an der Unterseite des Gerätes, indem die beiden Schrauben gelöst werden, die den Bügel mit dem unteren Lager für das Schwungrad halten.

In diesem Bild ist das Gerät während eines ersten Probelaufs zu sehen. Viele Reparaturarbeiten waren hier nicht notwendig, um das Gerät wieder in einen betriebsbereiten Zustand zu versetzen. Der Aufbau der Mechanik und Elektronik ist relativ einfach und übersichtlich, sodass Reparaturen sich in der Regel als relativ einfach bzw. gut durchführbar gestalten.

Der Ein-Ausschalter betätigt einen separat im Gehäuse des B101 untergebrachten Netzschalter, gleichzeitig bewegt er das Zwischenrad an das Schwungrad zum Antrieb der Capstanwelle für den Bandtransport. Direkt daneben befindet sich die Taste für die Aufnahme. Diese muss vor dem Start der Aufnahme und dem Drehen des Laufwerksknopfes in Richtung Bandlauf gedrückt werden. Vorher kann auf Wunsch auch die Pausentaste gedrückt werden, um das Gerät aufnahmebereit zu machen bzw. in Aufnahmebereitschaft zu schalten.

Hier ist eine weitere Abbildung, in der das Zwischenrad zum Antrieb des Schwungrades zu sehen ist. Ebenfalls zu sehen ist die Trägerplatte mit den Tonköpfen und den Bandführungen.

Nach dem ersten Zusammenbau funktionierte das B101 zwar wieder, verursachte jedoch beim Umspulen sehr laute Schleifgeräusche. Leider bemerkte ich dies erst, nachdem ich das Gerät eigentlich schon wieder zusammengebaut hatte und die Reparaturarbeiten beenden wollte. Nach genauerem Hinsehen stellte sich heraus, dass die obere Gehäuseabdeckung etwas verzogen war. Das war vor der Reparatur zunächst gar nicht aufgefallen. Vermutlich ist dies auf Druck und/oder Wärmeeinwirkung oft die obere Gehäusehälfte zurückzuführen. In der Abbildung ist die nur leichte Verformung des Kunststoffs leider etwas schlecht zu sehen. Der Bereich um den rechten Wickelteller ist etwas verzogen und kommt so sehr schnell an den Wickelteller, wodurch diese Schleifgeräusche entstanden sind. Um diesen Fehler zu beseitigen, wurde die Abdeckung nochmals ausgebaut, auf eine flache und ebene Oberfläche gelegt und vorsichtig mit einem Föhn bearbeitet, während ein Gewicht den Kunststoff wieder in ihre ursprüngliche Form drücken sollte. Auf diese Weise gelang es dann schließlich, die Gehäusehälfte wieder in ihre ursprüngliche Form zu bringen und die Schleifgeräusche zu beseitigen. Nach dem Zusammenbau nicht das Gerät wieder ohne störende Schleifgeräusche.

Es können beim Tesla B101 übrigens auch größere Spulen mit einem Durchmesser von bis zu 18 Zentimetern verwendet werden. Allerdings kann bei der Verwendung von Bandspulen mit einem Durchmesser von 18 Zentimetern nicht mehr die Kunststoffhaube aufgelegt werden, da die Spulen etwas über das Gehäuse reichen.

In dieser Abbildung sind die Anschlüsse des Tesla B101 zu sehen. Neben den beiden Lautsprecheranschlüssen nach DIN-Norm gibt es einen Kopfhöreranschluss für einen Kopfhörer mit Würfelstecker sowie drei DIN-Buchsen für den Anschluss an einen externen Verstärker, einen Plattenspieleranschluss sowie einen Mikrofonanschluss.

Die genaue Typenbezeichnung des Gerätes lautet B101 ANP 272. Das Gerät wurde in der damaligen Tschechoslowakei von der 1921 gegründeten Firma Tesla hergestellt. Der Name steht für den Namen des bekannten Wissenschaftlers Nikola Tesla, gleichzeitig ist eine Kurzform des Begriffes „technika slaboproudá“ (bedeutet etwa soviel wie Niederspannungstechnik oder Schwachstromtechnik). Im Gegensatz zu vielen anderen Geräten aus der damaligen Zeit kann die Netzspannung übrigens nicht auf andere Werte eingestellt werden. Aber das ist auch normalerweise nicht notwendig, zumindest nicht in Deutschland

Nach einigen kleineren Reparaturen und den für diese Geräte üblichen Wartungsarbeiten (Reinigung, Wechsel ein paar verschlissenen Antriebsriemen und Verwendung neuer Schmiermittel) ist das Gerät wieder in einem betriebsbereiten und relativ guten Zustand, wenn man das Alter Gerätes berücksichtigt. Die Geräte zeichnen sich durch eine relativ gute Reparierbarkeit aus, ganz anders als viele der heutigen Geräte aus dem Bereich der Unterhaltungselektronik, die scheinbar nur gebaut wurden, um sie nach relativ kurzer Zeit der Benutzung sofort zu entsorgen. Stilgerecht wurde hier ein Tonband aus ostdeutscher Fertigung aufgelegt. Es handelt sich um ein Tonband der Firma ORWO aus der damaligen DDR auf 13er Spulen. Es können beim Tesla B101 übrigens auch größere Spulen mit einem Durchmesser von bis zu 18 Zentimetern verwendet werden. Allerdings kann bei der Verwendung von Bandspulen mit einem Durchmesser von 18 Zentimetern nicht mehr die Kunststoffhaube aufgelegt werden, da die Spulen etwas über das Gehäuse reichen.

Verkauft wurde das Tonbandgerät einst mit einer Rauchglasabdeckung, wie diese bei vielen Geräten aus der damaligen Zeit als Staubschutz vorhanden war. Leider ist diese Abdeckung hier schon etwas lädiert und hat einige Kratzer auf ihrer Oberfläche.

Werbung